Special: Die Kolumne

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Special: Die Kolumne
Folge 4: Von Sucht, Gesellschaft und Killerspielen


von: Tobias Neumann

In Deutschland wird ja bekanntlich viel geredet ? auch wird des Öfteren einiges tot geredet, wie die aktuelle Diskussion über die so genannten ?Killerspiele? beweist. Auffällig ist dabei, dass zum großen Teil ahnungslose Moralapostel befragt werden und die Finger fein säuberlich von der spezialisierten Presse gelassen werden ? man könnte sie sich ja verbrennen. Insgeheim muss man sich doch fragen, warum? Ist es so schlimm, dass man eventuell seinen Sündenbock verlieren könnte?

Nichtsdestotrotz ? wir sind auch nur Menschen, auch wenn wir Computer spielen. Doch was wissen wir mehr als andere Mitdiskutierende? Wir haben Erfahrung mit Spielen! Ganz nüchtern betrachtet lässt sich folgender Fakt feststellen: Ja, Computerspiele können süchtig machen! Beispielsweise Spiele wie World of Warcraft fesseln manche Menschen stundenlang an den PC und ganz ehrlich ? darunter können Beziehungen und Lebensmotivation leiden. Aber rennt ein WoW-Spieler mit einer Axt auf die Straße und erkennt Passanten als Orks? Oder würden so viele CS-Spieler jemals eine Waffe auf einen Menschen richten? Ist nicht viel mehr die Erziehung das wirkliche Problem von Menschen, welche mit der Realität nicht mehr zurecht kommen? Man muss nicht schlau sein um zu spielen, man muss nicht dumm sein um zu spielen und schon gar nicht muss man introvertiert sein.

Immer wieder kommt die Diskussion auf das Schulsystem zu sprechen und ganz ehrlich: wer glaubt nicht, dass das kalte Schulsystem und die unfreundliche Gesellschaft dafür verantwortlich sind, dass sich Kinder zurückziehen und in irgendwelche anormalen und anonymen Gefühls- und Gedankenwelten verfallen? Wo sind die Eltern, die sich um ihre Kinder kümmern sollen? Der Umgang mit dem Computer muss erlernt werden und es muss darauf geachtet werden, dass er keinen zu großen Stellenwert im Leben einnimmt. Dies haben zumindest meine Eltern sehr bewusst getan und was ist aus mir geworden? Ich spiele gerne, aber mit Kontrolle. Ich arbeite mehr an dem PC, als dass ich spiele. Ich habe Freunde und keinen Realitätsverlust. Bin ich nicht ein gutes Beispiel für die allermeisten unserer Leser?
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Kommentare zum Artikel

Ja, aber...von gX|Sdtmog, am 23.11.2006, 07:24
Im Grunde kann ich nur zustimmen, doch beschleicht mich ein Verdacht ganz erheblich. Im gleichen Maße wie Medien und Politik sich die Spiele-Industrie als Sündenbock auf die Fahnen gestickt haben, wehren sich Gamer und Offizielle der Branche mit den gleichen Floskeln bezogen auf Kunstbegriffe wie "Gesellschaft", "Erziehung daheim" etc; Oftmals erscheint mir das ebenso oberflächlich, plakativ vor allem wenig konstruktiv. Beide Parteien haben keine weiße Weste an - So wie die Politik versagen mag, schüren die Medien zwar nicht die Ursachen der Probleme, doch aber ihre Auswüchse, denn ganz sind die Parallelen zwischen den Vorfällen und verschiedenen Medien wie Film und Spiel, nicht von der Hand zu weisen. So ehrlich müssen wir schon uns selbst gegenüber sein.

Statistisch ist jedoch belegbar, daß sowohl das Schulsystem, als auch die Erziehungsstile der letzten Jahrzehnte (Ausnahmen bestätigen ja bekanntlich die Regel), die so oft beschworene "Unmenschlichkeit" und "Kaltherzigkeit" in weitaus größerem Maße aufwiesen. Ebenso war es, gerade nach dem Zerfall des Ostblockes, vor rund 15 Jahren sehr einfach an Waffen zu kommen.
Trotzdem scheinen Vorfälle wie dieser ein verstärktes Phänomen der letzten 8-10 Jahre zu sein. Sicherlich gab es auch vorher Amokläufe - nicht aber in dieser Verbindung : Tätergruppe und Häufigkeit.

Ich finde es schlichtweg erschreckend wieviele Experten zu diesen Vorfällen zu Rate gezogen werden - selbst wenn man den Medien Stellungnahmen entnehmen kann, so entweder von Vertretern politisch-motivierter Gruppen (manche nennen sie auch Parteien) oder irgendwelcher Verbände wie Eltern-gegen-Gewalt e.V., deren Ziele zwar über alle Zweifel erhaben sein mögen, deren Sachverstand in diesem Falle wohl aber so ausgeprägt ist wie Axel Schluz' Siegeschancen am Samstag. Vielmehr läuft alles darauf hinaus, daß man der betreffenden (vermeindlich gefähredeten) Gruppe eine Lobby verschafft, die eher anziehend als abschreckend wirkt. ("Boah das könnte ICH sein und ganz Deutschland würde MIR Beachtung schenken")...

Meine Meinung... zerfetzt mich!
schon, aber... :)von gX|Tobe, am 23.11.2006, 08:41
Ich frag mich nur, warum die Amokläufer doch immer in Trenchcoat und Sonnenbrille ihre Dinge verrichten und nicht in irgendwelchen Uniformen, oder Guerilla-Kostümen. Mir ist kein Spiel bekannt, welches so ein Outfit nutzt, ausser Matrix, wovon die Filme aber überaus mehr Einfluss auf so manche Menschen hatte. Die Typen wollen also als "Rächer der Gerechtigkeit" (was für ein Schwachsinn) auftreten und auch da seh ich keine Parallelen, die sie aus Spielen nachahmen wollen.
Das wollte ich noch zu deinen nicht von der Hand zu weisenden Parallelen sagen =) Natürlich würde ich eine gewisse Interaktion aus manchen Spielen und der Psyche nicht ausschließen, aber es ging mir mehr um die Vorwürfe in Zusammenhang mit den Amokläufen. Der Sebastian B. hat meineswissens nirgendwo erwähnt, dass ihn seine Spiele zu der Tat getrieben, oder ihn irgendwie beeinflusst hätten.
von gX|Sdtmog, am 23.11.2006, 09:46
Deswegen sprach ich ja auch davon, das Medien keine Ursache der Probleme sind, sondern lediglich die Auswüchse beeinflussen.

Sehen wir mal über dinge wie Outfit oder ähnliches hinweg, so ist es dieses "Einsamer, von allen im Stich gelassener, Wolf, der es in der Aufmachung des mysteriösen Klischeekillers, allen so richtig zeigt und mit der Welt abschliesst"-Gebaren, welches man so oder in abgewandelter Form in unzähligen Produkten der Medienwelt sieht.

So einfach wie Mantel + Sonnenbrille = Matrix = er wollte die Welt vor Killerrobotern retten meinte ich das schon nicht :) ...
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