| Killerspiele - Interview mit einem Amokläufer | |
| 13.12.2006 | |
| Kuno ist tot. Er war gerade in seiner Schule. Hat einige seiner Mitschüler erschossen. Dann sich selbst. Wir haben gleich nach seinem Tod ein Interview mit ihm geführt. Kuno, Sie haben gerade einige Mitschüler erschossen. Wieso? Das Leben war zum Kotzen, die Mitschüler waren zum Kotzen, die ganze Welt war zum Kotzen. Man sagt, Sie hatten Probleme in der Schule... Ach, sagt man das? Klar hatte ich Probleme in der Schule. Die Schule war auch zum Kotzen. Vielleicht haben Ihnen einfach die Erfolgserlebnisse gefehlt? Fangen Sie jetzt auch plötzlich mit dieser Psycho-Scheisse an? Ein paar Leute umlegen, ja, das ist es, was man machen muss, und plötzlich tun alle so, als würden sie sich für einen wie mich interessieren. Hat sich doch vorher auch keiner für mich interessiert. Aber bei Computerspielen, da hatten sie Erfolg, oder? Naja, geht so, aber wenn wir in unserem Clan ein Top-Spiel hingelegt haben, ja klar, das war schon ganz cool. So so, Clan ... Killerspiele also? Ja, glauben Sie etwa, ich habe Ice Age gespielt oder so?n Cartoon-Quatsch? Nene, Counter-Strike rulez. Aha, sollte man diese Dinger also doch verbieten... Für wie blöd halten Sie mich eigentlich? Meinen Sie, dann hätte ich es nicht gespielt? Klar, war ja auch sonst ein gesetzestreuer Bürger. Die Festplatte voll mit Raubkopien, illegal eine Waffe gekauft, eine Handvoll Leute erschossen. Aber na klar, wenn Counter-Strike verboten gewesen wäre, boah Mann, da hätte ich ja echt voll die Angst gehabt vor der Strafe, wenn ich es doch spiele. Was für Filme haben sie sich eigentlich angesehen? Na, ?Vom Winde verweht? natürlich. Und ?Liebe braucht keine Ferien?. Prust! Okay, lassen wir es an dieser Stelle gut sein mit unserem fiktiven Interview, bevor uns noch jemand Zynismus vorwirft. Aber: Ist es nicht zynisch, wie erst als Folge von Amokläufen thematisiert wird, wie unsere Gesellschaft und unser Schulsystem vermeintliche Versager ausschließt? Ist es aber nicht auch von Computerspieleherstellern scheinheilig, auf der einen Seite mit Lippenbekenntnissen zum Jugendschutz durch die Medien zu ziehen, andererseits in der Werbung für einige Spiele deren Härte stärker zu betonen, als die spielerischen Qualitäten? Glaubt denn irgendein Politiker ernsthaft, dass die Strafe, die auf das Spielen von Killerspielen ausgesetzt werden soll, auch nur einen potentiellen Massenmörder abschreckt und er sich das Spiel nicht doch wieder irgendwo saugt? Ein bisschen Ehrlichkeit würde der Diskussion gut tun. Denn zynisch ist nicht, wenn wir von gamaXX uns in einen Amokläufer hineinversetzen wollen, sondern wenn gewisse Politiker ein tragisches Ereignis wie einen Amoklauf zum Anlass nehmen, um mit tumben Forderungen nach Wählerstimmen angeln. Aber, liebe Spielefirmen, macht es doch diesen Leuten bitte auch nicht so einfach. | |
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